Der Drachen aus Skandinavien
Ein Beitrag aus der Schiffsmodellwerft 8/2000 von Andreas Schiebel
Ein Volksboot sollte es werden, der Drachen, den 1929 der Norweger Johan Anker, im Rahmen eines vom Königlichen Yachtclub in Göteburg ausgeschrieben Wettbewerbs, zeichnete. In Mahagoni gebaut eroberte das 8,90m lange und 1,20 Breite Boot schnell viele Seglerherzen, die sowohl das Regattasegeln liebten wie aber auch für die kleinen Törn vor der Haustüre“ ein stabiles und sicheres Schiff mit Kajüte suchten.
Heute mehr und mehr als Regattaboot, von 1948- 1972 olympische Klasse, auch in Kunststoff gebaut, hat es doch noch immer den Orginalrumpf, wenn auch Kajüte und Segelführung geändert wurden.
Kein Wunder das dieser Klassiker auch bei der Dänischen Modellbaufirma Billing Boats im Maßstab 1:12 zu einem Klassiker avansiert ist. Mit Holzrumpf über lasergeschnittene Spanten zu bauen war es auch für mich sofort ein Thema. Dennoch hatte ich Bedenken. Hatte ich doch erst gerade mein erstes Modellschiff gebaut, ein segelnder Fischkutter, diesen aber mit Kunststoffrumpf.
Und nun, gleich einen Holzrumpf, den Billing Boats auch noch mit 2 Sternen versehen hat- für Fortgeschrittene. Außerdem fehlte auch noch das RC Zeichen. Wollte ich doch ein Segelboot nicht nur zum Hinstellen, sondern vor allem zum Segeln.
Wenn da nicht eine Ladenauflösung mit einem Schnäppchen dazwischen gekommen wäre, ich würde wohl heute noch überlegen.
Nun hatte ich also diesen Baukasten, klein und handlich, anders als bei diesen Bausätzen mit Plastikrumpf inside. Schön sauber geschnittenes Holz, sehr schön gearbeitete Messingbeschläge und sogar ein fertig gegossener Bleikiel kamen neben den Segeln zum Vorschein. Also doch was fürs Wasser, warum denn sonst der Bleikiel? Nur die Pinne und die Salinge in braunem Plastik trübten meine Freude.
Aber dies, das war sofort klar, wird durch Holz ersetzt, denn in Pinne aus einem alten Stück Mahagoni schnitzen hatte ich schon Erfahrung, und tat dies auch als aller erstes.
Mit Hilfe der für einen Anfänger im Holzrumpfbauen etwas knapp gehaltenen Bauanleitung und dem Bauplan steckte ich auch sofort die Spanten auf das mehrteilige Kielschwein. Durch die lasergeschnittenen Teile paßte alles milimetergenau.
Der Rumpf entstand mit den vorgefertigten Kielplanken aus Balsa und den Abaschileisten für den Rest recht schnell.
Nun mußte ich mir langsam Gedanken machen wie
ich die Fernsteuerung unterbringen wollte. Die Kajüte ist recht klein
und konnte maximal die kleine Regattawinde und ein Standart Servo aufnehmen.
Diese beiden auf einer kleinen Sperrholzplatte geschraubt bzw. geklebt
machte ein ausbauen der ganzen Einheit zu Wartungszwecken möglich.
Die Ruderanlenkung an der selbstgeschnitzten
Pinne.
Viele Stunden der Bangens, ob der Servo die doch nun zu bewältigende Kraft unter Segel auch aufbringt, ohne gleich ins Gras zu beißen. Nun gut, es sei vorweg genommen. Alle Sorgen waren unbegründet. Noch heute arbeitet der erste Standardservo als Steuermann.
Die Segel werden über ein Zweileinensystem im Cockpit angelenkt. Zwei kleine, mit kurzen Bodwenhülsen gegen eindringendes wassergeschützete, Durchführungen an der Kajütrückwand bringen die Umlaufschot von der Winde (Regatta ECO) nach draußen.
Mehr durch Probieren und etwas rechnen wird der richtige Angriffspunkt der Großschot gefunden. Da ja das kleine Cockpit in seiner gesamten Länge für den Schotenweg ausreichen muß. Mit kleinen Federn an der Cockpitückwand wird die Umlaufschot unter Spannung und mit Blöcken die Schoten zur Umlaufschot einigermaßen parallel gehalten.
Die Gockschot läuft weiter über einen Block an den Wanten zum Fußblock unter der Fockbaumnock (-war eigentlich nur ein Provisorium, hat sich aber gut bewährt ). Die Großschot führt zu einer in der Mitte des Cockpits verankerten Umlenkblockes.
Soweit war nun also das Segeln unter RC-Bedingungen möglich.
Damit das auf dem Rumpf liegende Deck an der Rumpfkannte
einem Abschluß findet, gab es noch eine kleine Fußrelingsleiste
aus Nußbaum. Ob das nun Orginal war oder nicht, mir gefiel der Kontrast
zwischen dunklem Rumpf mit Aufbau und dem hellen Deck mit Nußbaumleiste
.
Zu guter Letzt hellte ich das Cockpit noch durch Grätings aus dünnen Kiefernleisten auf.
Nun hatte ich schon angefangen alles zu ändern,
also kam auch gleich das Rig dran. Um den Holzeindruck noch zu unterstreichen
wurden der Mast und Baum nur klar lackiert. Die Salinge aus 3 mm Sperrholz
den Plastikteilen nachempfunden.
Außerdem hat eine Yacht für das stehende
Gut Drahttauwerk und richtige Wantenspanner zu besitzen. Die Imitationen
aus dem Baukasten mögen für die vorgesehene Verstagung mit Schnur
in der Vitrine vielleicht taugen, für einen richtigen Segler wohl
kaum. Auch wenn es nicht ganz billig war, es mußten echte Wantenspanner
aus Messing sein. Als Drahttauwerk nahm ich 0,8mm Bowdenzuglitze mit weichem
dünnen Alurohr als Presshülsenersatz.. Mit kleinen Nirosplinten
auf dem Segelgeschäft wurden die Wanten und Stagen unter Deck in die
Spanten geklebt (Stabilit). Der Fockfußpunkt mußte, damit die
Fock an einem Baum vor dem Mast sich frei bewegen kann, etwas nach vorne
verlegt werden. Natürlich war mir klar, daß ich damit dem Konstrukteur
den ganzen Lateralplan durcheinander brachte, aber dies war mir erst einmal
egal und zweitens hat sich später gezeigt, es änderte sich das
Segelverhalten nicht.
Die beiliegenden Segel wurden laut Plan genäht, wobei ich zu geben muß auf weibliche helfende Hände zurück gegriffen zu haben. Leider war ich weder mit dem Segelprofil noch mit der Trägheit des dicken Leinentuches zufrieden. Also ging es auf die Suche nach geeignetem Segelstoff.
Nur wo. Dacron, wie ich ihn bei meinem segelnden Fischkutter im Baukasten mitbekommen hatte, war irgends aufzutreiben. Als einzige alternative wurde mir immer nur Spinnakertuch angeboten. Doch diese Karos waren mir ein Graus. Nichtsdestotrotz kam ich nicht umhin es mit etwa 65g/qm Spinnakertuch zu versuchen. Auch hier ist inzwischen aus dem Provisorium ein Dauerzustand geworden. Immerhin habe ich mir nun das Nähen mit der Maschine angeeignet, habe dem Segel, da immerhin aus zwei Bahnen genäht, sogar ein Profil verpaßt.
Gut, ich gebe zu, heute als aktiver Regatta Marblheadsegler,
belächle ich das Segel als Lappen, aber meine ersten Segelerfahrungen
mit dem Schiff haben mir gezeigt, daß es auch gegen den Wind zu seinem
Herren zurück findet. (und das ohne Hilfmotor, wie unbedarfte Zuschauer
am See gerne fragen)
Nun kam also der erste Segeltag, natürlich vor
lauter Bammel bei null Wind. Aber es sollte ja erst einmal getestet werden,
ob das innen mit Polyesterharz versiegelte Schiff auch wirklich dicht ist
und mit der RC-Anlage einigermaßen ordentlich schwimmt. Da mit der
RC Anlage die Konstruktionswasserliene bestimmt nicht einhalten werden
kann, habe ich die Wasserlinie schon beim Lackieren etwas höher gesetzt.
Stimmt immer noch nicht wirklich, aber das macht der Freude am Segeln keinen
Abbruch, denn bei leichtem Wind spring der Drachen zügig an und legt
sich vorbildmäßig auf die Seite.. Auch als es einmal schön
aufbriste, hatte ich zwar das Cockpit voller Spritzwasser und in Böen
luvte es, wie wir es von den Großen kennen, an. Dann nur etwas Auffieren
der Schoten und weiter geht’s.
Am Ende noch einen Passenden und stabilen Bootsständer und
der klassische Langkieler ist fertig für sein Element
Obwohl das Boot gerade mal 78cm lang ist und damit
eigentlich schon als sehr kleines Segelboot gilt, sind alle Manöver
unter Segeln zu fahren, wenngleich auch das Boot ab einer gewissen Wellenhöhe
doch arg kämpfen muß. Außerdem ist bei viel Wind das Ruder
etwas klein. Aber wer geht mit diesem kleinen Boot schon bei mehr als 4
Windstärken auf den See.
Fazit:
Nicht nur im Orginal ein wunderschönes Boot,
auch bei mir, trotz inzwischen reichlich Auswahl an Segelbooten, immer
wieder ein gern gesegeltes Schiff. Warum Billing Boot das Schiff nicht
als RC fähig einstuft verstehe ich nicht, noch weniger, warum diese
Plastikteile im Baukasten das Schiff, auch als Standmodell, verunzieren
sollen. Meine anfängliche Skepsiz es als Anfänger zu bauen war
eigentlich unbegründet, da mit etwas Phantasie alle Probleme zu lösen
sind.
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Andreas Schiebel